Hinweise aller Art .. Bücher, Ausstellungen, Videos etc.

Gute Bücher wollen besprochen werden

April 2026

Der 26. April ist für uns einmal ein Feiertag der guten Bücher. 

Historisch ist er auch ein Jahrestag.. Tschernobyl.. Dieser Ort wird uns und unsere Nachkommen nicht in Ruhe lassen. Da mögen noch so viele halbgebildete Journalisten eine  Renaissance der Atomkraft herbeischreiben.. Dieses Menetekel und zudem die Ruinen von Fukushima erzählen eine teure Geschichte über das was einst als „too cheap to meter“ angepriesen wurde. Inzwischen sind die Reaktoren (groß oder nunmehr vorgeblich modular klein) „soo billig“, sodass nur mit staatlicher Subvention irgendein AKW-Projekt flott zu kriegen ist..

Nicht unbedingt als Ankündigung, aber zur Anregung sind folgende Verweise gemeint:

Vergangenen Freitag war auf Ö1 eine Buchbesprechung zu hören, die uns unmittelbar dazu veranlasst hat, das entsprechende Buch auch zu erwerben.

Der Beitrag auf Ö1:

https://sound.orf.at/radio/oe1/beitrag/3265164/wie-man-mit-walen-tanzt-von-francois-sarano

Mehr zum Buch:

https://www.perlentaucher.de/buch/francois-sarano/wie-man-mit-walen-tanzt.html

Für all jene, die sich für die Geschichte Österreichs interessieren, sind mir zwei Bücher „über den Weg“ gelaufen.

Da ist zum einen die Lebensbeschreibung der Adelheid Popp erwähnenswert. Sie war die erste Frau im österreichischen Parlament und hat sich ihr Leben lang für die Rechte der Frauen, insbesondere der ArbeiterInnen, eingesetzt.

Das Wien um die Jahrhundertwende ist aus vielen wissenschaftlichen, künstlerischen, ästethitischen Blickwinkeln ein Dauerthema. Das Leben der „einfachen“ Menschen darf hier aber nicht ausgeblendet werden. Neben Glanz und Glorie, Blendwerken der Monarchie etc. gab es allerhand Elend, das nur durch Kampf gemildert wurde. Davon berichtet uns Adelheid Popp in ihrer Sprache..Nicht wenige Passagen machen heute noch fassungslos…

Ihre Lebensbeschreibung ist auch als PDF im Netz nachlesbar:

https://frauenmachengeschichte.at/wp-content/uploads/Popp_Jugendgeschichte_1909.pdf

Ein anderes Buch widmet sich der Geschichte eines Gebäudes.. ein in dieser Form bemerkenswerter Zugang. Es geht um den Heinrichhof, auch bekannt als Heinrichshof.. Jenes Gebäude, dass nach der Schleifung der Stadtmauern und der Bebauung der Ringstraße gegenüber der Oper errichtet wurde. Eine große Anzahl durchaus bekannter Personen wohnte in diesem Zinshaus. Und es beherbergte ein Kaffeehaus, das als solches und zusammen mit allerhand bekannten BesucherInnen ein Ort der Geschichte Österreichs  – zumindest bis 1945 – wurde. Bombenschäden haben letztlich dazu geführt, dass es nicht zu einem Wiederaufbau gekommen ist. So steht nun gegenüber der Oper ein Bau über dessen architektonische Wertigkeit allerhand disputiert werden kann.

Der „alte“ Heinrichshof beherbergte auch eine damals bekannte Buchhandlung, die den Anlass- und Fixpunkt dieser Gebäudebiographie darstellt.

Hier zu einer Gegenüberstellung zwischen vormals und aktuell:

https://www.zeitenspruenge.at/bild/227

Das Buch selbst:

https://www.mandelbaum.at/buecher/ulla-remmer/das-verlorene-vis-a-vis-am-opernring

Schon seit längerer Zeit hat es mir der Peter Nadas angetan. Seine Sprache – in Übersetzung natürlich – ist einzigartig. Nadas ist aber nicht nur ein begnadeter Schriftsteller, sondern hat es auch mit der Photographie.

In einem eher nicht allzu vielen bekannten Verlag erschien ein Band mit seinen Photos und einigen Texten.

Das ist ein Buch zur Vertiefung und zum Innehalten.

https://www.verlag-thomas-reche.de/res6-nadas-zeugen

Nun geht es einmal nicht zu Büchern, sondern Hinweisen anderer Art.

Kürzlich bin ich auf einen Künstler gestoßen, der recht ausdrucksstarke Werke erschaffen hat.

z.B. eine Serie zum Thema „The Power of Books“ 

https://mladenpenev.net/project-177

In Verbindung mit St.Andrä-Wördern verweise ich auf eine aktuelle Ausstellung von Arbeiten von Barbara Pflaum.

Eine „spätberufene“ Fotografin, die neben ihrer Tätigkeit als Pressefotografin auch Motive gebannt hat, die nunmehr unter dem Begriff „Streetphographie“ zusammengefasst sind.

https://www.mak.at/programm/ausstellungen/barbara_pflaum

nun ein letzter Ausstellungshinweis:

In ein paar Tagen wird das Erdgeschoss der nö. Landesgalerie in Krems ein Ort der Kalligraphie sein.

Die iranische Künstlerin Parastou Forouhar wird diesen einzigartigen Raum mit Schrift ausgestalten. 

https://www.kunstmeile.at/de/ausstellungen/parastou-forouhar

ein Film über das was und dort erwarten könnte:

Ein anderes „Genre“.. den Podcasts:

Im IWM kam es kürzlich zu einem aufgezeichneten Gespräch, in dem Ungarn vor der Wahl das Thema war. Was sich dort in den letzten Jahrzehnten abgespielt hat, was dort an Fehlentwicklungen sich Raum gemacht hat, wird wohl nicht so schnell verschwinden.. wenngleich ein erster Anfang ist gemacht: Das Orban-Regime wurde abgewählt.

Hier zum Podcast es IWM:

https://europes-futures-with-ivan-vejvoda.simplecast.com/episodes/episode-50-post-enlightenment-hungary-with-peter-kreko-DpA_nTzP

Das IWM wird nun einen neuen Chef brauchen. Misha Glenny hat sich eine neue Aufgabe gestellt.

Podcast sind nun das Medium seiner Wahl. Der vormalige Guardian-Redaktuer, der die Jahre der Wende um 1989 in Wien stationiert war, widmet sich nun der Vertiefung von Themen die Beachtung finden sollten.. 

z.B. dem Thema Dadaismus

Nachzuhören unter

https://www.bbc.com/audio/brand/b006qykl

Damit hab ich euch ein bisserl was zum Nachsehen, Nachhören, allenfalls zum Nachlesen zusammengepackt.

Februar 2026

Die letzten Wochen und gar Monate waren ja nicht wirklich einladend, viel Outdoor zu unternehmen. Da saß man doch lieber zu Hause und genoß Stille, manchmal Schnee und hoffentlich das eine oder andere gute Buch.

Ich will da keine Vorgabe verbreiten, sondern lediglich auf einiges hinweisen, was sich lohnen dürfte gelesen zu werden:

Das Weltgeschehen ist aktuell ja keineswegs ermunternd. Auf der einen Seite wütet ein Irrer und demontiert die Demokratie in den USA. Und auf der anderen Seite lässt ein anderer Irrer nicht ab, das Nachbarvolk zu terrorisieren. Die Mullahs lassen massenhaft das eigene Volk hinschlachten und im Nahen Osten sind friedliebende Staatenlenker faktisch ausgestorben. Das sind ja nicht alle Plätze, von denen Grausamkeiten zu berichten sind.

Der Guardian bringt fotographisch kompakt jede Woche eine Zusammenfassung – nicht für schwache Nerven.. aber so ist halt die Welt.

Zurück zu den USA. Was sich dort abspielt ist ja nicht ohne und für nicht wenige Parteien eine Schule, wie man das eine oder andere wohl auch zu Hause einmal ausprobieren könnte. Wer sich zu den Vorgängen dort ein wenig vertiefter informieren will, dem sei das Buch von Cathryn Clüver Ashbrook, Der amerikanische Weckruf anempfohlen.

In einer TV-Talkshow kommt das auch ein wenig kompakter daher .. ähnliche gehaltvolle Formate sind ja leider im ORF ausgestorben, daher der Verweis über die Grenzen.

Ein Stilwechsel:

Im Herbst 2026 wird Tschechien Gastland der Frankfurter Buchmesse sein.

Zumindest ein Buch, ein Schriftsteller, ist bereits empfehlenswert. Es ist dies Michal Ajvac. Ja, der Name ist neu, den haben wohl bislang nur echte Insider gekannt, sind seine Arbeiten doch nur sehr sehr spärlich in Deutsch bislang erschienen.

Ich möchte auf ihn besonders hinweisen. Das ist Surrealismus in einer sehr frischen Form. Und damit es nicht nur bei dieser Etikette bleibt, verweise ich einmal auf einen Text, der – einer der wenigen – schon 2019 in Deutsch erschien.

Nun ist „Die andere Stadt“ (endlich) auch in Deutsch erschienen.. Hier geht es zu einer Liste an Besprechungen. Und wer Lust hat, dem sei auch noch diese Leseprobe empfohlen.

Zum Abschluss noch ein paar Hinweise auf literarische Kostbarkeiten, die sich im Netz so finden lassen.

Wer Lyrik mag, ist bei folgenden Seiten sehr gut aufgehoben (ohne Anspruch auf Vollständigkeit!) :

Planetlyrik

Poesiegalerie

Lyrikline

Wer aller – so wie ich – dem Gastland Tschechien im Herbst 26 mit Interesse entgegensieht, dem sei die entsprechende Seite und der Newsletter empfohlen.

November 2025

Draussen vor dem Fenster liegt der erste Schnee des heurigen Winters — mal sehen, wie lange die weiße Decke anhält. Im Haus ist es wohlig warm und die Zeit des Büchergenusses ist angebrochen. Die BuchWien hat auch einige Anregungen erbracht.

Die da sind:

Die Vorstellung der Ukrainischen Bibliothek im Wallstein Verlag bringt uns erstmals Texte von zwei – nicht allen bekannten – Schriftstellern näher. Den Beginn machen Taras Schewtschenko und Lesja Ukrainska.

Nadja und ich waren bei der Vorstellung im Radiokulturhaus. Und wir können berichten: Das kann eine Entdeckung werden, die sich auszahlt.

In der Literaturedition Niederösterreich erschien ein kleiner Band zur niederösterreichischen Donau. Die eine oder andere literarische Kostbarkeit ist hier enthalten. Im Kreis der Donauliteratur ist dies eine Ergänzung.

Die Krimi-Freunde, speziell solche, die auch ein Faible für Prag haben, werden große Freude mit Dan Browns neuem Werk haben können. Bemerkenswert ist allemal, dass Dan Brown auch versteckte Winkel in den Plot einwebt, die bislang von den touristischen Trampelpfaden abseits liegen gelassen wurden.. Mag sein, dass sich dies nun ändern wird. Als ich das Buch zu lesen begann, hatte ich, wenn Robert Langdon in Erscheinung trat, stets Tom Hanks vor Augen und seine Synchronstimme im Ohr. Dünn ist das Bücher nicht.. die ersten 400 Seiten beschreiben eine rasante Tour durch Prag innerhalb von nicht einmal fünf Stunden..Und über den Inhalt verrate ich einmal nichts. Lautet ja bereits der Titel: The Secret of Secrets.

Philipp Tier, mag manchen von euch bereits bekannt sein. So hat er sich mit dem Thema Migration sehr intensiv auseinandergesetzt. Löblich und bemerkenswert, jenseits der Schreierei aus dem extremen rechten Eck.

Der Klang der Monarchie widmet sich der Musikgeschichte in einer wohl so noch selten gelesenen bzw. so vorgetragenen Form. Mein ehemaliger Professor Moritz Czaky verfasste einst eine Geschichte der Operette. Da konnte ich nicht wirklich mit.. die Operette wurde mir in Kinderjahren verdorben. So aber bekommt die Geschichte einen Drall mit Inhalt – jenseits mit dem vielen „Schmalz“, das mir zuwider wurde.

György Dalos erzählt uns die Geschichte der Zweiten Republik. Da soll nur ja niemand glauben, dass ein Ungar weniger über unser Land weis, als wir selbst. Dalos lebte auch recht lange in Wien, er hat daher sehr wohl Ortskenntnisse.

Und als ausgebildeter Historiker, dessen Deutsch fehlerlos ist, hat er den Vorteil der kenntnisreichen Aussensicht, speziell aus einem Land, dass gerne das gleiche Schicksal teilen wollte – hier ist der Staatsvertrag gemeint, diesem jedoch verwehrt blieb.

Nadja wird uns höchstwahrscheinlich über Wald im Haus, die Übersetzung eines Bestsellers aus Tschechien berichten. Alena Mornštajnová erreicht in Tschechen mit ihren Büchern überraschend viele LeserInnen. Von einer verkauften Auflage in der Größe von einer Million Stück, können hierorts viele nur träumen. 

Zum Abschluss noch zwei Hinweise auf sehenswerte Ausstellungen:

– In der Wiener Rathausbibliothek befindet sich die Ausstellung zum Wiener Rathaus. Die Geschichte dieses Monumentalbaus ist im Begleitband im Detail beschrieben – inklusive einer Würdigung des Architekten, dem Friedrich Schmidt. Wir empfehlen die Lektüre im Vorfeld eines Besuchs der Ausstellung.

– Und donauabwärts, in Bratislava, ist aktuell eine Ausstellung zu Jože Plečnik zu sehen und zu bestaunen. Hervorzuheben sind vor allem die ganz tollen detailgerechten ausgestellten Modelle einiger seiner Bauten. Plecnik hat in Wien weniges, dafür bemerkenswertes hinterlassen. Der Otto Wagnerschüler versuchte viermal in Wien Karriere zu machen – sie wurde ihm verwehrt. Masaryk lud ihn daher nach Prag ein, wo er in der Prager Burg und einigen Stadtteilen seine Spuren hinterließ. Danach durfte er Ljubljana gestalten. In der Slowakei selbst steht kein einziger Bau von Plecnik. Die Slowaken stellen daher ihren Dusan Jurkovic, als „slowakischen Plecnik“ in der Ausstellung vor. Wir empfehlen einen Bratislava-Besuch an einem Sonntag.. da lassen sich noch zentrumsnahe Parkplätze finden und es geht gemütlicher in der Stadt zu als während der Arbeitstage. Bei gutem Wetter bietet zudem die Burg von Bratislava beeindruckende Ausblicke.